„Die Anspannung hat bei uns allen etwas nachgelassen“

Treffen am Gartenzaun: Treffen am Gartenzaun: Die Besucherin unterhält sich mit ihrer Angehörigen über den Gartenzaun hinweg, um genügend Abstand zu halten.Alternative Besuchsmöglichkeiten in Zeiten von Corona: am Gartenzaun können sich Besucher und Bewohner unterhalten und dabei den Sicherheitsabstand halten. Brigitte Deiters / Caritasverband für die Diözese Speyer

Dennoch zeigen die Lockerungen Wirkung: "Die Anspannung hat bei uns allen etwas nachgelassen, aber wir müssen immer noch vorsichtig sein", sagt Einrichtungsleiterin Verena Renner. Und so haben auch die Besuche nichts mehr mit dem zu tun, was Bewohner und Angehörige von früher kennen, denn: "Besuche im Haus sind nach wie vor nicht möglich." Daher wurden alternative Besuchsmöglichkeiten geschaffen: am Gartenzaun sowie durch die Öffnung einiger Fenster im Speisesaal. An diesen Stellen ist es möglich, dass sich Bewohner und Besucher gut unterhalten können, ohne sich zu nahe zu kommen.

"Aber das alles ist auch mit einigem Aufwand verbunden", so Verena Renner: Die Besucher müssen sich anmelden, damit ihnen ein Zeitfenster zugewiesen werden kann, sie müssen Mundschutz tragen und die Hände desinfizieren, die Bewohner müssen fertig gemacht, zum Besuchsplatz gebracht und wieder abgeholt, die Stühle und Tische nach dem Besuch desinfiziert werden. Das ist ein großer logistischer Aufwand, fasst Verena Renner zusammen.

Zudem werden vor allem die Angehörigen mit der Zeit ungeduldig. "Ich verstehe, dass sie wieder zu ihren Eltern oder Großeltern wollen", sagt sie. "Aber ich will die Verantwortung nicht dafür übernehmen, dass jemand das Virus in unser Haus trägt. Da bleibe ich eisern", erklärt sie.

"Es ist schon enorm, was die Mitarbeiter*innen seit dem Beginn der Epidemie leisten", lobt Verena Renner. Als Beispiel nennt sie die soziale Betreuung: Alle Angebote werden nun in Kleingruppen durchgeführt, nur auf den Wohngruppen, damit es möglichst wenig Kontakte zwischen den Bewohnern gibt. "Statt einmal Erdbeermarmelade zu kochen, geschieht das jetzt an drei Tagen nacheinander in vielen Kleingruppen." Genauso ist es bei Bastelangeboten, beim Kuchenbacken - eigentlich bei allen Aktivitäten. "Hinzu kommt, dass uns die Angehörigen fehlen, die sonst auf den Wohngruppen mithelfen."

Es fehlt an vielem in dieser Zeit, sagt die Leiterin. "Wir vermissen die Feste, die wir im Jahresverlauf feiern, die Öffnung nach außen, die Kinder aus den Kindertagesstätten, die Angebote der Ehrenamtlichen, die Therapiehunde….." Und ein Projekt namens Eden-Philosophie, das im Sommer starten sollte, steht auf der Kippe.

Den Bewohnern tut die Ablenkung gut, wie aus Rückmeldungen zu erfahren ist, und sie fühlen sich gut betreut. Dass der Garten und der Vorplatz zur Verfügung steht, ist angenehm. Dort finden die Bewohner Beschäftigung wie zum Beispiel Wilhelm Hageni. Der 92-jährige Deidesheimer hat die Zeit genutzt und die Gartenbänke abgeschliffen und frisch gestrichen. Sein Engagement kam sehr gut an, was ihn mit Stolz erfüllt, berichtet Leiterin Verena Renner. 

Mitarbeiterinnen und Leiterin Verena Renner zeigen der Fotografin gespendete WeinflaschenWein für Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen haben zwei Weingüter und der Winzerverein Deidesheim gespendet. Brigitte Deiteres / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Auf der anderen Seite", erzählt Renner weiter, "haben wir so viel Unterstützung von außen erfahren, für die wir uns jetzt bedanken möchten."  Zwei Weingüter - das Weingut Reinhardt, und das Weingut Geheimer Rat. Dr. von Bassermann-Jordan - und der Winzerverein Deidesheim haben Wein für die Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen gespendet. 

Zudem haben sich viele ehrenamtlich engagiert. So haben Menschen Masken genäht. Eine Gruppe von Frauen aus Bellheim hat Dekorationen für das Haus gebastelt, Kinder haben Briefe geschrieben und Bilder gemalt, und eine Schülerin, die eigentlich ihr Sozialpraktikum ableisten wollte, hat den Bewohnern und Mitarbeitern lange, ausführliche Briefe geschrieben. Verena Renner und ihr Team sind sehr dankbar für die Unterstützung und die Solidarität, die die Bewohner, aber auch die Mitarbeitenden während der vergangenen Wochen erfahren haben. "Es tut gut, dass die Menschen wahrnehmen, was wir in der Pflege leisten", freut sich die Leiterin. "Sie finden es toll, dass wir das Beste aus der Situation machen."

Text und Foto: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer