„Menschen in ihrer Würde annehmen und achten“

Leiterin Verena Renner nimmt Glückwünsche entgegen vom Deidesheimer Bürgermeister Manfred Dörr, Caritas-Direktor Vinzenz du Bellier und Abteilungsleiter Timo Kittler. Gratulation für die Zertifizierung: Leiterin Verena Renner nimmt Glückwünsche entgegen vom Deidesheimer Bürgermeister Manfred Dörr, Caritas-Direktor Vinzenz du Bellier und Abteilungsleiter Timo Kittler. Brigitte Deiters / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Hier werden Menschen in ihrer Würde angenommen und geachtet. Ihre Bedürfnisse werden nicht ignoriert, das vermittelt ihnen ein gutes Selbstwertgefühl." Mit diesen Worten überreichte Hedwig Neu dem Caritas-Altenzentrum Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim ein ganz besonderes Zertifikat: die Validations-Qualitätszertifizierung für Institutionen.

Hedwig  Neu ist Leiterin des Autorisierten Validationszentrums in Wachenheim und  Validationsmasterin. Validation ist eine besondere Kommunikationsmethode, entwickelt von  der amerikanischen Gerontologin Naomi Feil in den 1960er Jahren. "Aber sie wird nie altmodisch werden, weil sie die Betonung auf Empathie bei der Betrachtung der Menschen legt", so Verena Renner, Leiterin des Caritas-Altenzentrums. Einzug gehalten hat Validation in der Deidesheimer Einrichtung, "weil es gut ist für unsere Bewohner, für die wir das Beste wollen, und die uns zugleich vor große Herausforderungen stellen", betont die Leiterin. 

In einer kurzen Szene zeigte Beate Eumann-Klein, wie Validation wirkt: Eine der Mitarbeiterinnen stellte eine verwirrte Bewohnerin dar, die den Festakt anlässlich der Zertifikatsübergabe störte. Eine Pflegekraft kann darauf auf verschiedene Arten reagieren. Wenn sie mit Empathie, Geduld und Interesse reagiert, auf die Ängste und Unruhe der alten Dame mit viel Verständnis eingeht, dann lässt diese sich beruhigen und wirkt glücklich. "Wir sagen den Menschen mit Demenz so oft, dass sie falsch liegen, versuchen sie abzulenken oder sie zu belügen", erklärte Hedwig Neu diese Sequenz: "Aber wenn wir Validation kennen, wissen wir: Es verbietet sich von selbst, so zu handeln."

reuen sich über den erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung: Leiterin Verena Renner mit der Zertifzierungsurkunde und Hedwig Neu, Validationsmasterin und  Leiterin des Zentrums für Validation in Wachenheim. Freuen sich über den erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung: Leiterin Verena Renner mit der Zertifzierungsurkunde und Hedwig Neu, Validationsmasterin und Leiterin des Zentrums für Validation in Wachenheim. Brigitte Deiters / Caritasverband für die Diözese Speyer

Denn das Besondere an dieser Kommunikationsmethode ist die persönliche, menschliche Wahrnehmung der Bewohner, getragen von Respekt und Wertschätzung. "So können wir den Einsatz von beruhigenden Medikamenten verringern, und es gelingt uns die schwierige Zeit des Einlebens in einem Altenzentrum gut zu begleiten", erläutert Beate Eumann-Klein.

"Validation nutzt auch unseren Mitarbeitern", betonen Eumann-Klein und Renner. Denn vielfach sei es schwer, mit den Bewohnern richtig umzugehen. Oft habe man abends die Sorge, sie nicht richtig behandelt oder sie nicht erreicht zu haben. Auch die Kommunikation innerhalb des Teams habe sich durch den Prozess und die Schulungen geändert.

In Deutschland sind bisher nur zehn Einrichtungen zertifiziert. Das Caritas-Altenzentrum in Deidesheim ist bisher die einzige Caritas-Einrichtung. Darauf könne das Haus stolz sein, betonte auch Caritas-Direktor Vinzenz du Bellier. Er sprach der Leitung und den Mitarbeitern seine Hochachtung aus, da sich das Altenzentrum seit 2009 im "Dauerwandel" befinde angesichts verschiedener Umbau- und Erweiterungsbauten. "Trotzdem sind Sie den Weg der Zertifizierung gegangen, und jeder weiß, wieviel Engagement und Aufwand das bedeutet", hob der Caritas-Direktor hervor. Als Geschenk des Caritasverbandes erhielt das Haus eine Videokamera, mit der künftig Situationen aus dem Alltag aufgenommen und in Fallbesprechungen dienen können.

Der Deidesheimer Bürgermeister Manfred Dörr nannte drei Schlüsselbegriffe, die ihm zum Caritas-Altenzentrum einfallen: Liebe, Empathie und Engagement. Die Zertifizierung sei ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Sie diene der Unterscheidung von anderen Einrichtungen. Der lange Prozess dahin bringe "viel Positives hervor".

In fünf Jahren ist eine Rezertifizierung fällig. Einrichtungsleiterin Verena Renner ist davor nicht Angst: "Wir alle brennen so für Validation, haben so viel Zeit und Energie investiert, das wird kein Problem", ist sie überzeugt.

Text und Bilder: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer